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Kultur

100 Jahre Welttheater – eine Hommage an die Salzburger Festspiele

Johannes Gaisfuss

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Foto: SF / Matthias Horn

Wir haben das Jahr 1920. Die europäische, aber vor allem die österreichische Gesellschaft ist noch immer von den Ereignissen des Ersten Weltkrieges mitgenommen. Friede, Freude, Festspiele? An so etwas ist kaum zu denken und obendrein nebensächlich. Doch es gibt Max Reinhardt, Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss. Diese drei Herren werden in die Geschichte eingehen – als die Begründer der Salzburger Festspiele. 

Ein großer Traum 

Schon länger hegte der gebürtige Niederösterreicher Reinhardt den Traum von Sommerspielen in Salzburg, genauer gesagt seit 1904. Als Reinhardt, welcher sich mittlerweile in Berlin ein mächtiges Theaterimperium errichtet hatte, 1918 Schloss Leopoldskron erwarb, wurden die Planungen konkreter. In der Vorstellung des Regisseurs sollte die ganze Stadt als Bühne fungieren. Schon damals wurde der Salzburger Domplatz als die perfekte Kulisse für das 1911 erschienene und von Hugo von Hoffmannsthal verfasste Werk „Jedermann“ befunden. Und auf Planungen und Träume sollten Taten folgen – am 22. August 1920 hatten die Salzburger Festspiele auf dem Domplatz mit dem „Jedermann“ Premiere. Dass sich die Spiele über ein Jahrhundert halten sollten, ahnte wahrscheinlich niemand im damaligen Direktorium. Zumal die Spiele in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts keine Förderungen erhielten und die Künstlerinnen und Künstler, in ihrer Zeit große Stars, für ihre Auftritte keine Gage empfingen. Dennoch sollten die Festspiele wachsen. Im Jahre 1922 brachte Richard Strauss die Wiener Philharmoniker sowie namhafte Sängerinnen und Sänger zum „Welttheater“ nach Salzburg. Dies war die Geburtsstunde der Oper bei den „Olympischen Spielen“ von Kunst und Kultur. Und es ging weiterhin bergauf – 1925 wurde das, wenn auch provisorische, Festspielhaus in der Innenstadt Salzburgs eröffnet und bereits von rund 42.000 Menschen besucht. Doch auf einen Höhenflug folgt bekanntlich der tiefe Fall … 

Die Festspiele in dunklen Jahren 

Trotz des Erfolges des Salzburger Kulturfestivals kamen auch immer mehr Neider auf – hauptsächlich Juden-Verachter, da Reinhardt und Hoffmansthal der jüdischen Religion angehörten. Daher wurde auch Richard Strauss von den anderen beiden Gründern zum Festival-Präsidenten vorgeschlagen, um sich einerseits ihren Einfluss zu sichern und andererseits um dem Hass vieler Menschen zu entgehen. 1929 dann der herbe Rückschlag. Börsenkrach, Max Reinhardts geliebter Bruder Edmund starb und drei Tage danach „Jedermann“-Schöpfer Hugo von Hoffmannsthal. Indem Joseph Goebbels die Spiele als „jüdischer Hexensabbat“ bezeichnete, brachte er aufgrund dessen viele Künstlerinnen und Künstler zum Verlassen der Bühnen in Salzburg. 

„Ich bin ein Jude – das ist das Stolzeste, was ich über mich sagen kann“

Max Reinhardt über Goebbels Angebot einer „Ehrenarierschaft“ 

1933 war es dann soweit. Die Festspiele standen vor dem wirtschaftlichen Aus. Doch da kam der erneute Aufschwung: Arturo Toscanini, der seinerzeit bekannteste Dirigent, kam im Jahre 1934 nach Salzburg. Und darüberhinaus wurde Goethes „Faust“ aufgeführt, welcher sich neben dem „Jedermann“ zu einer Art „Publikumsliebling“ entpuppte. Als 1938 die Nazis die Macht in Österreich übernahmen, mussten auch viele Künstlerinnen und Künstler ins Exil fliehen. Ebenso Max Reinhardt, welcher schließlich 1943 in New York City verstarb. Unter dem NS-Regime wurden Hoffmannsthals „Jedermann“ gemeinsam mit der Inszenierung des „Faust“ aus dem Programm genommen.  

In den Jahren nach dem Krieg sollten die Salzburger Festspiele wieder mehr an Wert und Beliebtheit gewinnen. Vor allem eine Person war dafür verantwortlich: Herbert von Karajan. Auch wenn der gebürtige Mozartstädter und Stardirigent zwar das Direktorium entmachtete und bestimmte, wer auftreten durfte, gelang es ihm aber, den alten Weltruf wiederherzustellen und sogar zu vergrößern. Ob im Orchester oder als künstlerischer Leiter, Karajan gab immer den Takt an. Auch war er es, der unter anderem die Salzburger Osterfestspiele gründete und bis zu seinem Tod im Jahre 1989 leitete. 

Der Tod (Peter Lohmeyer) erhält von Gott den Auftrag, Jedermann zu holen. Foto: SF / Matthias Horn

Alles Jedermann 

Dieses Jahr feiert das Festival nun seinen 100. Geburtstag. Eklats – größere und kleinere – haben die Spiele ebenso geprägt, wie die bereits über 700 Vorstellungen des „Jedermann“. Denn was wäre der Domplatz ohne seinen „Jedermann“? Es ist Jahr für Jahr das Highlight und zieht Kulturbegeisterte von nah und fern an. Daher ist es auch äußerst schwierig Karten für das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ zu ergattern. Doch für seine jungen Gäste hat sich die Festspielleitung einiges ausgedacht, wie beispielsweise „U27-Schönwetter-Freikarten“, welche man am Tag der Vorstellung erwerben kann. Und diese Aktion sollte sich als Erfolg entpuppen: Schon kurze Zeit nach der Verkündung dieser waren nahezu alle Karten vergriffen. Dies zeugt davon, dass die Spiele aller Wahrscheinlichkeit nach auch die nächsten 100 Jahre große Bühnenkünste zeigen werden. In diesem Sinne also: Alles Gute zum Geburtstag!

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Kultur

Eine Filmmusik-Legende geht: Nachruf auf Ennio Morricone

Johannes Gaisfuss

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am

Foto: Wikimedia Commons / Gonzalo Tello

Wer kennt sie nicht, die legendären Klänge aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The Hateful Eight“? Nun ist deren Komponist, Ennio Morricone, mit 91 Jahren verstorben. Ein Nachruf auf einen der Größten im Filmmusik-Business. 

„Ich, Ennio Morricone, bin gestorben. Das kündige ich allen Freunden an, die mir stets nahegestanden sind, und auch jenen, die ferner sind und die ich mit großer Liebe grüße. Es ist unmöglich, alle zu nennen.“

Ennio Morricone in seiner selbst geschriebenen todesanzeige

Wir schreiben den 10. November 1928. Ennio Morricone wird in Rom, genauer gesagt im Stadtteil Trastevere, als eines von insgesamt fünf Kindern geboren. Da bereits sein Vater Trompeter ist, beginnt sich der junge Morricone schon früh für Musik zu faszinieren. Bereits mit sechs Jahren komponierte der Italiener seine ersten Werke. Dies ist auch etwas, was ihm bis zum Schluss seines Lebens geblieben ist – 2018 ging er nochmals auf eine Tournee und komponierte außerdem ein Stück für die Einweihung der neuen Brücke in Genua. Mit zehn Jahren wird der spätere Oscar-Preisträger von seinen Eltern ins Konservatorium von Santa Cecilia für Trompete und Chormusik eingeschrieben, wo er 1946 sein Konzertdiplom als Trompeter erhält. Erst ein paar Jahre später sollte Morricone seine Ausbildung zum Komponisten starten. 

„Filmmusik braucht Raum, um sich entfalten zu können. Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich zu entwickeln.“

Ennio Morricone

Besondere Bekanntheit erlangt Ennio Morricone durch seine zahlreichen Kompositionen für Italo-Western, insbesondere durch „Spiel mir das Lied vom Tod“. Doch die Vielseitigkeit des Italieners wird vielleicht gerade deshalb verdrängt, denn wer hätte gedacht, dass Morricone auch für Filme anderen Genres den Soundtrack beigesteuert hat? Doch die kultigen Western waren die Höhepunkte, keine Frage. Dies dürfte auch an der Freundschaft zu Sergio Leone, dem Regisseur vieler Italo-Western, liegen. Leone und Morricone kannten sich bereits seit der Schule und waren seitdem Freunde. 1956 heiratet der Italiener Maria Travia, mit ihr hat er vier Kinder und ist zudem auch mehrfacher Großvater. 

Der späte Oscar-Triumph

Erfolge und Auszeichnungen waren dem bescheidenen und introvertierten Komponisten nie wirklich wichtig. Und dennoch war er fünfmal für den Academy Award nominiert. Keinen einzigen davon konnte er sich mit nachhause nehmen und der Italiener hatte die Hoffnung auf den goldenen Mann auf der Filmrolle schon fast aufgegeben. 2007 aber erhält Ennio Morricone den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Und neun Jahre später wird der Komponist wieder nominiert und schafft es mit 87 Jahren sich für die Musik für „The Hateful Eight“ sich in die lange Liste der Gewinner nun „offiziell“ einzureihen. Aber nicht nur glanzvolle Ernennungen kann Morricone vorweisen. Insgesamt war er auch dreimal für die Goldene Himbeere, dem Pendant zum Oscar, nominiert. Aber für einen „Gewinn“ war es doch nie zu schlecht. 

Morricone hinterlässt definitiv eine große Lücke in der Filmmusik-Welt. Seine Werke aber werden für immer bleiben. 

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