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Alles auf Schiene? – Halt in Berlin

Max Janka

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Foto: Getty Images Pro / frankpeters

Berlin lebt: Schnell, grenzenlos und tolerant. Die deutsche Bundeshauptstadt bleibt auch während Corona das Zentrum des europäischen Multikulturalismus. Die aktuelle Protestwelle ist im Leben der Berlinerinnen und Berliner nur Nebensache, viel eher wollen sie in gewohnter Vielfältigkeit den Sommer genießen.

Der Tag beginnt im Café. Mit einem sonnigen und belebten Platz an der Straße sowie gut gelaunten Leuten, lässt es sich gern in den Tag starten. Nachdem die neuesten Nachrichten studiert worden sind, geht es in Richtung Zentrum. Zu Fuß. Berlin bietet zwar ein ausgeprägtes Verkehrsnetz, aber wer die Einzigartigkeit dieser Stadt erleben möchte, muss dies hautnah am Leben des Volkes kennenlernen.

Von grafittibunten Zinskasernen in Friedrichshain geht es über die, von grauen Plattenbauten geprägte, Karl-Marx-Allee zum Alexanderplatz. Bei der dortigen Weltuhr sammeln sich wieder die Leute. Am meisten überragt jedoch weiterhin der in Fußnähe liegende Fernsehturm. In den 1960ern von der DDR-Führung zur Demonstration der Leistungsfähigkeit des Sozialismus errichtet, gilt das Gebäude heute als Wahrzeichen der „Bärenstadt“. Weitere historische Orte von Berlin-Mitte wie die Museumsinsel oder das Brandenburger Tor sind allerdings nicht überlaufen. Das dürfte vor allem an der momentanen Hitzewelle liegen. 

Die Weltuhr und der Fernsehturm am Alexanderplatz. Foto: Pixabay / WagnerAnne

Diesmal doch in den Öffis, geht es auf die Suche nach dem verschollenen Volke und einer Abkühlung. Auf einer langen S-Bahn-Fahrt zum Stadtrand ist der Mund-Nasen-Schutz, der hier übrigens Bedeckung genannt und vorbildlich getragen wird, essenziell. Am Schlachtensee angekommen, findet man das Gesuchte vor. Menschenmengen, wo bestimmt kein Elefantenbaby Platz hat. Aufgrund der Abge­le­gen­heit des Gewässer findet sich wenig bis keine Polizei vor. Daher trifft man hier besonders auf die Jugend, die nach dem bereits begonnenen Schuljahr eine Erfrischung sucht.

Der Schlachtensee bietet den Berlinern an heißen Tagen die nötige Erfrischung. Foto: Wikimedia Commons / Asif Massimov

Zurück in der Stadt braucht es erstmal eine kräftige Stärkung. Trotz internationaler Küche führt in Berlin dabei nichts an einem traditionellen Döner vorbei. Ein weiteres Berlinmerkmal: Vegetarier und Veganer haben beim Imbiss ebenso ein ausgiebiges Angebot wie Fleischfreunde. Einzig Mistkübel für die Verpackung und ein auffrischender Schluck Wasser am Hydranten werden hier vergeblich gesucht. Um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen, eignet es sich am Spreeufer Platz zu nehmen, wo man von dichtgedrängten Partys wie am Wiener Donaukanal Welten entfernt ist. Am Weg dorthin liegt die „East Side Gallery“. Das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer, das als Open-Air-Galerie für politische Kunstwerke dient.

Breschnew und Honecker beim Bruderkuss. Foto: Bundesarchiv / Joachim Thurn

Wer die Nacht zum Tag machen möchte, kann sich dafür jederzeit bei einer weiteren Berliner Spezialität, dem „Späti“, ausstatten. Diese Kleinmärkte haben außerhalb der üblichen Ladenzeiten – wenn nicht sogar rund um die Uhr – geöffnet und bieten zumeist Getränke sowie Tabakwaren, aber auch Zeitschriften und Lebensmittel an. Zum ungehinderten Feiern zieht es die Berliner in die Parks, um der Maskenpflicht aus dem Weg zu gehen und ausreichend Platz zum Tanzen zu haben.

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Reisen

Alles auf Schiene? – Interrail in Zeiten von Corona

Max Janka

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YNA Montage: Fotos: YNA / Max Janka, Getty Images Pro / den-belitsky

Reiserucksack, Jugendherbergen und ein Zugpass. Das alles bringt Jugendliche seit Jahrzehnten quer durch Europa. Das ist Interrail. Doch sind Langstreckenreisen und Großstadtbesuche in Zeiten von Corona überhaupt möglich? Und noch viel wichtiger, zahlt es sich aus?

Zunächst zu Interrail seiner selbst. Um den aufkommenden Rucksacktourismus entgegenzukommen und jungen Leuten bis 21 Jahre eine preiswerte Reisemöglichkeit zum Kennenlernen Europas zu gewähren, führen mehrere europäische Eisenbahngesellschaften im Jahre 1972 eine transnationale Zugfahrkarte ein. Darunter befinden sich neben Österreich auch Feriendomizile wie Italien oder Griechenland – aber ebenso West- und Ostdeutschland sowie Jugoslawien. Über die Jahre vergrößert sich das Angebot an Ländern und Altersgruppen. Besonders mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem damit verbundenen Fall des Eisernen Vorhangs ebnet Interrail Wege in eine neue Welt und umfasst 1991 bereits 28 Länder. 2007 wird aus dem in Zonen zersplitterten Zugpass ein globaler Pass. Damit wird mit der gleichzeitigen EU-Osterweiterung ein starkes Zeichen für die Einigkeit im Kontinent entsendet. Somit veranschaulicht die Entwicklung Interrails den Zusammenwuchs Europas in seinem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jetzt bereite ich mich auf den Weg durch ein grenzenloses und freies Europa vor. Von Wien nach Berlin und Amsterdam, weiter in Richtung Paris und nach einem Abstecher in Hamburg über Prag wieder nach Wien. Reibungslos wird die Reise wahrscheinlich nicht ablaufen. Ob ich offene Grenzen passieren werde und meine Grund- sowie Freiheitsrechte überall ausleben werden darf, wird sich kurzfristig vor Ort entscheiden. Nichtsdestotrotz bin ich optimistisch, dass Corona dieses Erlebnis nicht hemmen wird. Europa hat es geschafft von einem Schlachtfeld zu einer friedlichen Gemeinschaft zu werden und wird auch bestimmt diese Aufgabe meistern.

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