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Internationale Summer School in Island – Austausch über die technologische Zukunft

Antonio Morelli

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am

Foto: Youth Time International Movement

Von 10. bis 15. August war es wieder so weit: Zahlreiche junge Menschen aus aller Herren Länder trafen einander, um von renommierten Experten Neues zu lernen und sich untereinander über die wichtigen Fragen unserer Zeit auszutauschen. Die Rede ist von der jährlichen Summer School des International Youth Time Movement (YTIM), welche heuer in Reykjavìk – der Hauptstadt Islands – abgehalten wurde.

Motto der Summer School, die zusammen mit der University of Iceland und der Stadt Reykjavìk veranstaltet wurde, war „Future Skills for Workplace Sustainability: Preparing for Transition“. Es ging also primär darum, wie sich die Profile verschiedener Berufe ändern werden, welche Trends in Sache Technologie, Digitalisierung und Automatisierung erwartet werden und nicht zuletzt, welche Fähigkeiten in Zukunft unerlässlich für einen gesicherten Arbeitsplatz sein werden. Vor allem die Einführung robotergesteuerter Automatisierung, technischer Innovationen und Digitalisierung, die Millionen ihren Arbeitsplatz kosten werden, haben massive Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben werden. Das Ziel der diesjährigen Summer School war es folglich, Ideen und mögliche Lösungen für einige der die Jugend am meisten betreffenden Probleme zu diskutieren. Außerdem wurden auch zukünftige Kompetenzanforderungen, Bildung und Training für nachhaltige globale Entwicklungen behandelt.

Summer School-Teilnehmer im Hörsaal der Universität Islands folgen den Worten eines Experten. Foto: Youth Time International Movement

Experten boten exklusive Einblicke

Unter den jungen international renommierten Experten und Rednern aus Wirtschaft und Wissenschaft befanden sich der niederländische IT-Experte und IBM-Berater Theodoor van der Klaauw, die Ingenieurin Karen Pesse, die derzeit als Projektleiterin für IBM an digitalen Lösungen für Dibates-Patienten arbeitet, der Salvadorianer Nelson Javier Mejia, der in Frankfurt ein auf Innovationen spezialisiertes Start-Up gegründet hat und leitet, sowie der rumänische Kommunikations-Experte David Timis, der unter anderem für Google und die Europäische Kommission arbeitet. Aber auch Vertreter aus dem Bereich Bildung konnten den Teilnehmern ihr Wissen weitergeben, wie etwa die Dekanin der School of Education der Universität Island Kolbrún Pálsdóttir, die sich im Besonderen mit non-formaler Bildung auseinandersetzt, die Tschechin Lucie Mairychová, Mitbegründerin und Geschäftsführerin einer NGO, die in Zusammenarbeit mit Samsung daran arbeitet, durch Coaching und Unterstützung jungen Personen aus sozial benachteiligten Familien und Regionen ihren Traumberuf zu erlangen, der rumänische Lernexperten Bogdan Vaida, Hrishabh Sandilya, der für eine NGO arbeitet, die Migranten, Flüchtlinge und Asylanten dabei unterstützt, wirtschaftlich tätig zu werden, sowie die Isländerin Þóra Óskarsdóttir, die das Fab Lab Reykjavík führt und sich mit Innovationen befasst.

Teilnehmer eines Workshops zu innovativem Denken und Teamwork. Foto: Youth Time International Movement

Teilnehmer aus aller Welt

Die Teilnehmer, die aus der ganzen Welt nach Island angereist waren, waren sowohl internationale Studenten, als auch Mitarbeiter internationaler Organisationen und Institutionen. Aufgrund der Coronakrise konnten statt den geplanten 90 Mitwirkenden nur  25 Personen teilnehmen, dennoch erwartete diese eine umso intensivere Zeit der Auseinandersetzung mit den technologischen Herausforderungen der Zukunft und des gegenseitigen Austausches und Kontakteknüpfens. Insgesamt waren durch Teilnehmer, Experten und YTIM-Botschafter 27 Länder vertreten.

Junge Interessierte aus der ganzen Welt reisten an, um sich über die Zukunft am Arbeitsmarkt auszutauschen. Foto: Youth Time International Movement

Abschließende Exkursion in Islands Natur

Abgerundet wurde die Summer School nach vier Tagen intensiver Präsentationen, Reden und Workshops durch eine Tour zu drei sehenswerten Naturwundern der Insel, bei welcher der Þingvellir Nationalpark und zugleich UNESCO Weltnaturerbe, in dem sich die durch das Auseinanderbewegen der beiden Kontinentalplatten Nordamerikas und Eurasiens entstehenden Spalten befinden, besichtigt wurde. Weiter ging es mit dem Strokkur Geysir, der eine bis zu 30 Meter hohe Wasserfontäne zutage bringt. Abschließend konnten die Teilnehmer den 32 Meter hohen und wundervoll gelegenen Gullfoss Wasserfall bestaunen.

You wanted to attend but you couldn't make it? Don't worry, you have the unique opportunity to learn from the workshops…

Gepostet von Youth Time International Movement am Freitag, 21. August 2020
Offizielles video zur International Youth Summer School 2020

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Wissenschaft

Bildung der Zukunft – Expertin Pálsdóttir im Interview

Antonio Morelli

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am

Foto: Kristinn Ingvarsson

„Da draußen gibt es eine Welt, mit der sich die Schule verbinden muss.“

Welche Fähigkeit in den kommenden Jahrzehnten unerlässlich sein werden. Ein Interview mit der Bildungsexpertin Kolbrún Pálsdóttir, Dekanin an der Universität Island in Reykjavík.

Ständig werden neue Technologien entwickelt, die uns das Leben erleichtern sollen. Automatisierungen sollen Prozesse beschleunigen, Künstliche Intelligenz auch komplexere Aufgaben lösen. Auch – oder gerade – in der Arbeitswelt sorgen diese für beträchtliche Veränderungen und steigenden Unmut unter zahlreichen Arbeitnehmern. Eines wird klar: Einzig durch Bildung kann einer sonst vorprogrammierten Massenarbeitslosigkeit vorgebeugt werden. Darüber, welche Inhalte und Fähigkeiten in der Zukunft unabdingbar sein werden und wie diese den künftigen Arbeitnehmern vermittelt werden können, habe ich mit Kolbrún Pálsdóttir, die sich besonders mit non-formaler Bildung beschäftigt, gesprochen.

Im Folgenden findet sich eine Niederschrift unseres Gesprächs, welches wir in englischer Sprache in den Räumlichkeiten der Universität Island im Rahmen der International Youth Summer School 2020 geführt haben. Das Interview wird in voller Länge als Video mit deutschsprachigen Untertiteln verfügbar sein.

Die Bedeutung non-formeller Bildung

Antonio Morelli (YNA): Sie sind Dekanin der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Island und beschäftigen sich unter anderem mit formaler und non-formaler Bildung. Vielleicht könnten Sie unseren Lesern zu Beginn erklären, was non-formale Bildung ist und wie sich diese von formaler unterscheidet?

Kolbrún Pálsdóttir: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn wir von non-formaler oder informeller Bildung sprechen, sprechen wir über all das Lernen, welches wir sowohl in unserem Alltag, als auch strukturierten Programmen, etwa außerschulische Programme, Jugendaktivitäten, etcetera. Dies ist also die Wissenschaft, die versucht ein Konzept einer Reihe von Arten des Lernens und der Bildung zu erstellen. In gewisser Weise lernen wir ja vom Zeitpunkt unserer Geburt an und auch wir, die wir hier sitzen lernen während wir miteinander reden. Aber auch formales Lernen und Strukturen, die Institutionen, wir haben Qualifikationen, wir haben Ausbildner. Und informelles Lernen bietet jungen Menschen, Schülern und Personen jeden Alters die Möglichkeit, in deren persönlichem Lernprozess wahrhaftig zu partizipieren. Also das sind die Unterschiede zwischen formaler und non-formaler Bildung, die Gelegenheit der Teilnehmer, ihre eigenen Möglichkeiten und Aktivitäten zu gestalten.

Weshalb messen Sie non-formaler Bildung solch eine Wichtigkeit bei?

Kolbrún Pálsdóttir: Ich denke, non-formale Bildung ist so wichtig, weil wir als Menschen diesen inneren Drang haben, zu lernen und wir auf solch vielen verschiedenen Arten lernen. Wir lernen und benutzen dabei all unsere Fähigkeiten und sensomotorische Kompetenzen, um an Informationen und Daten zu gelangen. Und wir nutzen dafür informelle Wege, indem wir uns mit anderen Menschen, mit unserem Umfeld verbinden. Es ist also eine Menge non-formalen Lernens, das in Schulen und im Bildungssystem vonstattengeht, es geschieht also fast überall. Das muss uns also bewusst sein, um davon besseren Nutzen zu machen, um non-formale und formale Bildung miteinander zu verknüpfen. Das ist es, weshalb ich glaube, dass formales und non-formales Lernen so wichtig sind.

Nicht nur im Klassenraum erlernen Kinder und Jugendliche neue Kompetenzen. Foto: Monkey Business Images

Steigender Einsatz von Technologie in der Bildung

Während der COVID-19-Pandemie mussten und müssen viele Bildungsinstitutionen, wie zum Beispiel Schulen und Universitäten, zugesperrt werden, weswegen Technologien vermehrt genutzt wurden, um eine mehr oder weniger normale Fortsetzung der Arbeitsroutine abzusichern. Glauben Sie, dass diese Krise auch eine Chance, eine Zäsur, die zu einer moderneren Art des Lehrens und Lernens führt, sein könnte?

Kolbrún Pálsdóttir: Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass es offensichtlich eine riesige Lernkurve während der letzten Monate gab, in denen Bildungsinstitutionen die Art und Weise, in der sie arbeiten geändert haben, und dass wir so zumindest ein Jahrzehnt übersprungen haben. Dies war eine schnelle Entwicklung von Technologie, welche in die Gesellschaft und Schulen und in unser Leben Einzug hielt. Wir verwenden sie, um mit unseren Freunden, unserer Familie oder auch Institutionen zu kommunizieren. Ich denke also, dass es offenbar eine Menge zu lernen gibt und ich bin auch der Hoffnung, dass wir diese Gelegenheit nutzen können, um wirklich herauszufinden, wie all dies geschah, was erfolgreich war und was wir wirklich im System und der Arbeitsweise erhalten wollen, sowohl im Bildungssystem, als auch außerhalb diesem.

„Bildung ist ein wechselseitiger Prozess“

Welche sind die Vorteile der Verwendung von Technologie?

Kolbrún Pálsdóttir: Ich denke, ein Teil davon ist es, die Schüler einzubinden, denn Bildung und Lernen sind ein wechselseitiger Prozess zwischen einem Individuum und dem Lehrer, dessen Mitschülern und dem Umfeld und Technologie eröffnet eine gänzlich neue Ebene von Möglichkeiten für Interaktion, um Daten zu teilen, zusammenzuarbeiten, sowohl auf einem lokalen, als auch internationalen Niveau. Es eröffnet also wirklich neue Möglichkeiten, ich meine, es ist großartig gewesen, mitzuverfolgen, wie es Ausbildner und Schüler geschafft haben, Dinge voranzutreiben während den schwierigen Zeiten von COVID. Es ist klarerweise eine Krise, aber wir müssen auch die Silberstreifen am Horizont beachten, es gibt also Silberstreifen in dieser Krise.

Schüler ärmerer oder bildungsfernerer Herkunft haben meist geringere Chancen auf eine gute oder höhere Bildung. Denken Sie, dass Technologie dies lösen – oder zumindest helfen kann bei diesem Problem unfairen Bildungszugangs?

Kolbrún Pálsdóttir: Sie kann, auf jeden Fall, aber Sie kann auch ein Hindernis darstellen, da nicht alle Familien oder Schüler Zugang zu denselben Technologien haben, die die meisten von uns in der westlichen Gesellschaft besitzen müssen. Wir müssen uns also immer daran erinnern, dass Technologie ein Werkzeug ist, ein Mittel zum Zweck und es geht in Wirklichkeit nur darum, wie wir dieses nutzen.

„Junge Menschen sind sehr oft ihrer Zeit etwas voraus“

Wie sollte Technologie in den Lehrplan und den Unterricht integriert werden?

Kolbrún Pálsdóttir: Das ist eine große Frage und offensichtlich auf viele verschiedene Weisen. Es sollte nur nicht der Schwerpunkt werden, da – wie ich bereits gesagt habe – wir nutzen Technologie, aber wir sollten sie nicht die ganze Zeit verwenden. Jedoch denke ich, der Jugend zu erlauben, zu partizipieren, jungen Personen, die sehr oft ein wenig ihrer Zeit und auch der ihrer Lehrer voraus sind, zu erlauben, diese Technologien zu verwenden und deren Lehrer zu zeigen, wie sie Technologie verwenden, um zu kommunizieren, an Projekten zu arbeiten, an Hausaufgaben, etcetera. Und all das Interessante, ihre außerschulischen Aktivitäten, ihre Freizeitbeschäftigungen, ihre Interessen. Das ist, was junge Menschen heutzutage machen. Sie sind online, beschäftigen sich mit all dem. Da draußen gibt es eine Welt, mit der sich die Schule verbinden muss, denke ich. Und dies geschieht durch die Schüler, indem die Nutzung von Technologie, Social Media und andere Werkzeuge, die Technologie bietet, gestattet wird.

Sie haben erwähnt, dass es wichtig sei, denn Fokus auf den Inhalt, statt der Technologie, die dahintersteht, zu richten. Sehen Sie auch das Problem oder die Möglichkeit, dass es in die falsche Richtung gehen kann, sodass der Fokus auf die Technologie gelenkt wird und dies ablenkend sein könnte?

Kolbrún Pálsdóttir: Ich denke, dass es, wie Sie gesagt haben, wirklich wichtig ist, darüber statt der Technologie selbst nachzudenken. Wir müssen aber auch Personen beibringen, wie man Technologie benützt und auch vorsichtig vor möglichen Gefahren zu sein. Technologie ist ein riesiges Wort, also wenn Sie Technologie im Klassenraum sagen, könnten wir über Social Media, Computer, das World Wide Web, etcetera sprechen. Also darüber nachzudenken, wie wir unser Leben strukturieren und wie Technologie unser Leben beeinflusst, ist auch wirklich wichtig.

Laut Pálsdóttir sind junge Menschen in Sache Technologie oftmals ihrer Zeit voraus. Foto: Pressmaster

Diese Fähigkeiten sind für die Zukunft unerlässlich

Technologie und mit ihr auch die Arbeitswelt entwickeln und ändern sich schneller denn je. Welche Fähigkeiten sind unerlässlich, um Schrittzuhalten und bereit für 2050 zu sein?

Kolbrún Pálsdóttir: Das ist eine riesige Frage, eine wirklich gute. Welche sind die Fähigkeiten, die wir für die Zukunft brauchen? Klarerweise denke ich, dass eine wichtige Kompetenz – und viele sprechen darüber – Literalität und Literalität in einem wirklich weiten Sinn. Medienkompetenz, Informationskompetenz, etcetera. Also fähig zu sein, Daten zu sammeln, zu lesen, verstehen, reflektieren, analysieren und interpretieren und Gebrauch von den Informationen rund um uns zu machen. Das ist also eine der Hauptfähigkeiten, eine Art Kernkompetenz. Und dann können wir über diese, die oft als 21 century skills bezeichnet werden, die Soft Skills sprechen, also Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeiten und Kooperationskompetenzen. Und wie Sie wissen, wenn wir über die Bedeutung von Technologie in unserem Leben nachdenken, müssen wir auch über uns selbst und unsere Verbindungen zu anderen Menschen und wie Personen Gebracuh von Maschinen machen, nachdenken.

Sie haben Medien- und auch Informationskompetenzen erwähnt. Könnte man also sagen, dass wir in einem Jahrhundert leben, in denen wir großen Mengen an Informationen ausgesetzt sind, sehen Sie also auch eine Art an Überinformation?

Kolbrún Pálsdóttir: Auf jeden Fall. Die ganze Welt liegt unter unseren Fingern auf dem Bildschirm. Wir können jede Art an Informationen erlangen. Aber wie stichhaltig sind diese? Wie können wir wissen, ob die Quellen zuverlässig sind und haben wir das Urteilsvermögen, um zwischen falscher und vertrauenswürdiger Information zu unterscheiden? Hier kommt die Bildung ins Spiel und deswegen müssen wir uns auf diese Fähigkeit zu analysieren, kritisch zu sein und reflektieren zu können, fokussieren. Es geht also nicht nur darum, all diese Werkzeuge verwenden und Belege oder Daten oder Informationen sammeln zu können. Wir müssen fähig sein, diese zu verarbeiten, darüber zu reflektieren und diese kohärent zu verstehen.

Kompetenzen vermitteln

Dies Kompetenzen, die Sie vorhin erwähnt haben – Wie können diese gelehrt werden?

Kolbrún Pálsdóttir: Das ist das Ziel. Ich meine, das ist schlussendlich die Roll von Bildung. Uns fähiger zu machen und unser Potential als Individuum und Mensch zu erreichen. Klarerweise ist das ein komplexes Projekt, dies zu schaffen und es ist wirklich wichtig, dass wir über Bildung in einem ganzheitlichen Sinn nachdenken. Es ist die Verantwortung der gesamten Gesellschaft ihre Bürger zu bilden, es sind die Familie, die Eltern, dann haben wir die Schule, den Wohlfahrtsstaat, wir haben Jugend- und außerschulische Aktivitäten, wissen Sie, jeder Akteur und jede Ebene in unserer Gesellschaft nimmt auf eine gewisse Weise daran teil.

Sie meinen also, dass große Ganze zu sehen?

Kolbrún Pálsdóttir: Ja, und auch die Bedingungen für uns bereitzustellen, um als Individuen aufzublühen und die Fähigkeiten und Möglichkeiten, selbst zu lernen und belehrt zu werden.

Wir haben eine Menge über Technologie und neue, moderne Wege des Lehrens gesprochen. Denken Sie aber, dass es auch Elemente der konventionellen Bildungsweise gibt, die auch in Zukunft nützlich sein werden?

Kolbrún Pálsdóttir: Ja, ich glaube definitiv. Ich denke, dass wir, wenn wir beobachten, wohin wir uns bewegen, wie die Schulen der Zukunft aussehen werden, auch ein wenig zurück schauen und einen Blick darauf werden, wie die Schule sich entwickelt hat und wie unser Bildungssystem sich gewandelt hat, und daraus lernen müssen. Ich glaube, dass es manchmal auch gut ist, zurück zum Ursprung zu gehen und daran zu denken, zurück zu, zum Beispiel Aristoteles und seine Idee von Bildung, als ein Weg menschlicher zu werden, unsere Fähigkeiten zu entwickeln. Ich denke, dass ist die Art von Kernkompetenz, die sich seit den frühen Tagen nicht geändert hat.

Auch heute noch hätten die Ideen von Aristoteles Geltung, so die Bildungsexpertin. Foto: Getty Images / thelefty

„Wir müssen immer erfinderisch sein“

Im letzten Jahrhundert lag ein Schwerpunkt auf dem Auswendiglernen. Denken Sie, dass dies heutzutage obsolet ist?

Kolbrún Pálsdóttir: Ich denke nicht, dass es per se obsolet ist, aber ich denke auch nicht, dass es eine Kernübung ist. Aber klarerweise müssen wir uns manchmal Dinge merken, wir müssen in der Lage sein, etwas auswendig zu lernen, aber das ist nicht die Essenz dessen, was wir in der Schule oder der Bildung machen. Aber wir trainieren uns selbst zu analysieren, an Informationen und Daten zu gelangen und diese zu verarbeiten.

Und meist ist es auch schneller, an Informationen zu gelangen oder einfacher Entscheidungen zu treffen, als wenn man …

Kolbrún Pálsdóttir: Nicht jedes Mal naschlagen muss? Ja, auf jeden Fall.

Einige Länder, beispielsweise Finnland, haben den Schreibschriftunterricht in der Volkschule abgeschafft und stattdessen Maschinschreiben eingeführt. Dieses Vorgehen hat unter Bildungsexperten für gemischte Gefühle gesorgt. Während die einen dies als einen Schritt in die richtige Richtung sahen, hoben die anderen dessen Bedeutung für die kognitive Entwicklung hervor, die auch durch mehrere Studien bestätigt werden konnte. Wie stehen Sie dazu und denken Sie, dass traditionelle und moderne Formen der Bildung miteinander verknüpft werden sollten?

Kolbrún Pálsdóttir: Bedenken Sie, was ich vorhin gesagt habe. Ich denke, dass es nicht wirklich wichtig ist, welche Technik wir verwenden oder ob wir Kindern beibringen, mit einem Stift oder Bleistift zu schreiben oder den Computer zu verwenden, ich denke nicht, dass das die Hauptfrage ist. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, verschiedene Arten von Ansätzen zu nutzen. Ich würde mir also nicht wünschen, dass meine Kinder nur am Computer lernen, ich möchte, dass Sie lernen zu schreiben und auch zu malen und Theater zu spielen und zu singen und kochen. Ich denke die meisten der Eltern möchten, dass ihre Kinder eine Reihe an Aktivitäten erfahren, sowohl im Rahmen des Bildungssystems, als auch durch non-formale Aktivitäten.

Sie sehen also eine Wichtigkeit für Kreativität in den kommenden Jahren?

Kolbrún Pálsdóttir: Auf jeden Fall. Ich denke, dies ist eine der wichtigsten Elemente der Zukunft.

Weshalb denken Sie dies?

Kolbrún Pálsdóttir: Wir müssen immer erfinderisch sein. Wir versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wir sehen uns immer neuen Hindernissen ausgesetzt und jetzt haben wir auf einer globalen Ebene diese riesigen Herausforderungen, mit dem Klimawandel, mit CoViD-19. Kreative Lösungen zu schaffen ist also offensichtlich der Schlüssel zum Erfolg. Und wir müssen junge Menschen in diesem Prozess involvieren.

Wir könnten also sagen, dass eine Krise auch eine Möglichkeit, eine Chance für etwas Neues, für Innovationen sein könnten – etwa die Klima- oder COVID-19-Krise?

Kolbrún Pálsdóttir: Ja, definitiv.

Das Interview mit Kolbrún Pálsdóttir führte YNA Herausgeber Antonio Morelli am 11. August 2020 im Rahmen der International Youth Summer School 2020 in Reykjavík, Island. Übersetzt aus dem Englischen von Antonio Morelli. Das Interview wurde aufgezeichnet und wird in Bälde als Video mit deutschsprachigen Untertiteln verfügbar sein.

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Wissenschaft

Wie rassistisch KI wirklich ist

Alina Rieder

Veröffentlicht

am

Foto: Carlos Castilla

In den letzten Jahren wird Künstliche Intelligenz ein immer größerer Teil unseres Lebens. Sie ist aus dem Unternehmensalltag und aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken – kaum jemand kennt Alexa oder Siri nicht. Doch die Technologie birgt auch ihre Gefahren. Gerade im letzten Jahr fiel auf, wie tief Rassismus in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Dabei kommen die Fragen auf, ob dieses gesellschaftlichen Problems Einfluss auf die menschengemachte Technologie der Künstlichen Intelligenz hat – und ob KI Rassismus gar verstärkt.

Was ist KI?

Zunächst gilt es, sich,mit dem Begriff der Künstlichen Intelligenz auseinanderzusetzen. Allgemein lässt es sich zwischen zwei Arten der Künstlichen Intelligenz unterscheiden. Die erste Form, die sogenannte schwache Künstliche Intelligenz, ist eine bereits gut erforschte Technologie, die in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz kommt. Sie wird mit Daten gefüttert und kann nicht selbstständig agieren. Ihr kleinerer Handlungsspielraum mindert ihre Wichtigkeit jedoch nicht. Experten rechnen sogar damit, dass sich die unterschiedlichen Systeme in den kommenden Jahren weiterentwickeln werden und ihre Rolle gerade in großen Unternehmen eine immer Wichtigere sein wird.

Seit einiger Zeit gewinnt jedoch die starke Künstliche Intelligenz immer mehr an Bedeutung. Ursprünglich nur ein Teil von Science-Fiction-Filmen und utopischen Zukunftsfantasien, wird heute ernsthaft an ihrer Umsetzung geforscht. Starke KI soll den Intellekt des Menschen aufweisen und ihn sogar übertreffen können.

Rassistische KI?

Wie kommt es also dazu, dass KI rassistisch sein kann? Bei einem Blick auf die existierende, schwache KI wird das schnell klar. Bei dieser Technologie werden, wie zuvor schon erklärt, bereits vorhandene Daten verarbeitet. Diese Daten werden von Menschen erfasst und ausgewählt, wobei eine gewisse Voreingenommenheit nicht ausgeschlossen werden kann. Auch Entscheidungen, die auf Basis historischer Daten getroffen werden, können somit problematisch sein.

Ein Blick auf das amerikanische Rechtssystem zeigt, wie tief Rassismus im Einsatz der KI verwurzelt ist. Entscheidet beispielsweise Künstliche Intelligenz in einem Rechtsfall mithilfe von Präzedenzfällen, so handelt diese auf Basis von vorhergehenden, richterlichen Entscheidungen. Diese können rassistisch motiviert sein, was auch die KI zu einem eventuell ungerechtfertigten Urteil zwingt. Diese vereinfachte Erklärung zeigt deutlich, dass schwache KI problematische Muster weiter verstärken kann.

Vorverurteilungen aufgrund der Hautfarbe

KI kommt jedoch an vielen Stellen zum Einsatz und bekommt immer größere Entscheidungsspielräume. Der wohl umstrittenste Anwendungsbereich Künstlicher Intelligenz ist die Justiz. So ist gerade das Predictive Policing, also Verbrechen mithilfe von Technologie vorhersagen zu können, nach jüngsten Vorfällen enorm unter Kritik. Beispielsweise erzählte die Forscherin Mutale Nkonde in einem Spiegel-Interview, dass Menschen in armen Nachbarschaften Amerikas aufgrund von Kleiderfarben bestimmten Gangs zugeordnet würden. Ihre Gesichter würden dann ohne ihres Wissen oder ihrer Zustimmung in Datenbanken erfasst, um etwaige strafbare Handlungen einfacher zuordnen zu können.

Das ist nur eines der zahlreichen Beispielen, bei denen eine durch die Polizei verwendete Technologie vermeintlich rassistisch handelt. Auch werden Schwarze schneller aufgrund von Gesichtserkennungssoftware verdächtigt oder verwechselt, da diese jene weniger gut von anderen Bürgern unterscheiden kann, als das etwa bei Weißen der Fall wäre. Das hat vor allem damit zu tun, dass diese Softwares größtenteils mit Bildern von weißen Menschen angelernt werden. Aufgrund der medialen Aufmerksamkeit im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung haben sich nun Technik-Firmen wie IBM, dazu entschlossen, der Polizei ihre Technologien nicht mehr zur Verfügung zu stellen, um rassistisch motivierte Falschverurteilungen zu verhindern.

Schlechtere Kreditkonditionen für Schwarze

Doch auch in Bereichen des täglichen Alltags kann Künstliche Intelligenz rassistisch handeln. So bekommen Personen mit Migrationshintergrund im Internet oft Stellenanzeigen für weniger qualifizierte Jobs oder Inserate für Wohnungen in schlechteren Gegenden. Auch im Bereich des Finanzwesens kommt es zu Benachteiligungen. Oft werden Schwarzen schlechtere Kredit- und Hypothekkonditionen vorgeschlagen, basierend auf Daten, die der KI als Entscheidungsbasis dienen. Weitere Schwierigkeiten zeigen sich mit dem steigenden Einsatz von KI im medizinischen Bereich, als Diagnosetool oder Untersuchungshilfe.

Bewusster Umgang mit KI wichtig

Die Frage, wie man nun mit diesem Problem umgehen sollte, ist schwer zu beantworten. So erklärt Sarah Chander von der Organisation European Digital Rights, dass oft die Anwender von Künstlicher Intelligenz nicht genau nachvollziehen können, wie diese arbeitet und es daher schwer ist, sie zu beeinflussen. Diese Intransparenz wird auch als „black box“ der KI bezeichnet und verstärkt sich, je mächtiger die KI ist und je mehr Daten sie vernetzt.

Daher ist allen voran ein bewusster Umgang mit Künstlicher Intelligenz wichtig. Zunächst sollte man sich im Klaren sein, dass KI – genauso wie wir Menschen – Fehler macht und voreingenommen sein kann. Forscherin Mutale Nkonde erklärt, dass es für viele Leute schwer sei, über Rassismus zu sprechen, besonders für jene, die ihn selbst noch nicht zu spüren bekommen haben. Dennoch erachtet sie den offenen Dialog als wichtigen Schritt zur Besserung. Jedem, der mit KI arbeitet, müssten die gesellschaftlichen, aber auch die eigenen, rassistischen Denkmuster bewusst sein, um aktiv dagegen vorgehen zu können.

Prof. Philipp Slusallek von der European High-Level Expert Group on Artificial Intelligence vertritt den Ansatz, dass es eine stärkere Einbindung von Menschen mit verschiedenen ethnischen Hintergründen brauche, um die Systeme zu verbessern. Zusätzlich erachtet er es als essentiell, je nach Anwendungsbereich auch Juristen, Psychologen und betroffene Personen in die Entwicklung miteinzubeziehen. Um eine Beteiligung diverser Personen am Entwicklungsprozess zu ermöglichen, liege es an uns, erstens offen über Probleme zu reden und zweitens in der Gesellschaft aufzuklären, damit sich die Bandbreite der teilnehmenden Personen vergrößert.

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